Christian Scherg
 
Krisenkommunikation | Reputation | Internet 

August 2015

Meine CDU 2017

Posted in Presse 2015

Rundfunk: DRadio Wissen

Meine CDU 2017

Reputationsexperte Christian Scherg im Interview bei DRadio Wissen. Die CDU hat das Papier "Meine CDU 2017" vorgestellt. Dabei geht es darum, neue Zielgruppen für die "Partei des alten, weißen Mannes" zu erschließen. Jung sollen sie sein, weiblich und am Besten auch noch Zuwanderer. Christian Scherg erklärt, warum es keine Gebrauchsanweisung für die Wählergunst geben kann und wie die CDU bei der neuen Zielgruppe punkten kann.

 

Christian Scherg zum Thema Meine CDU 2017:

Womit kann die CDU bei der neuen Zielgruppe punkten?

Persönliche Geschichte, Engagement und Emotion, das ist eine erfolgversprechende Kombination. Damit kann man punkten – vor allem, wenn die ganze Story nicht zielgruppengerecht aufbereitet wird, sondern sich einfach ergibt. Also authentisch passt. Dann muss das alles gar nicht mit der Profession und der Grundeinstellung zu tun haben, um reputativ in die Glaubwürdigkeit einzuzahlen. Im Gegenteil:Gerade wer sich krampfhaft bemüht, en voque zu sein, verliert die nötige Unmittelbarkeit. Daher ist auch das Interview mit Le Floid für Merkel ganz gut gelaufen. Im Dialog hat sie sich so gegeben, wie sie ist. Das ist nicht spritzig, aber glaubhaft. Strategische Statements werden eben rasch als solche durchschaut, vor allem, wenn sie sich wiederholen, was in Social Media leicht (und auch ohne Zutun des Autors) passieren kann.

Was muss die CDU besser machen?

Statt Strategie sollte der Mut zur Überraschung der Leitfaden der Kommunikation sein. Wer als Politiker authentisch bei sich ist und seine Themen beherrscht, der sollte auch die Improvisation beherrschen, ganz so wie ein guter Musiker, der bekannte Melodien auf seinem Instrument spielt, ohne sich zu wiederholen. Wichtiger als je ist es dabei, auf die Stimmen der anderen zu hören, die ja mit den sozialen Plattformen im Internet ein wunderbares Ventil der emotionalen Äußerung haben.  Es gilt eben nicht, den Dialog zu dominieren, sondern sich auf der Basis der eigenen Kompetenz ins Konzert der Stimmen einzubringen. Dafür ist das Internet ein hervorragendes Medium, da man sich hier zurücknehmen und die anderen sprechen lassen kann. Pointierte Akzente die von anderen weitergetragen werden, darüber hinaus Zurückhaltung und Identität, schaffen Chancen, die sich wahrnehmen lassen. Zielgruppenkommunikation ist leicht zu durchschauen und Planwirtschaft ist kontraproduktiv. Wer den Zufall zulässt, kann ihn für die schönsten Momente nutzen. Und die verbreiten sich – am besten von selbst.

Welche Partei macht das besser als die CDU?

Nun, die Grünen waren als Turnschuhpartei im wahren Sinn des Wortes Wegbereiter einer neuen Politik. Diesem Anspruch werden sie auch heute noch gerecht, wenn sich ihre Führungskräfte bei öffentlichen Veranstaltungen, Demonstrationen aber auch in sozialen Netzwerken unters Volk mischen.  Zur Stimme des Volkes kann man sich allerdings erfahrungsgemäß leichter machen, je leiser das eigene Organ erschallt. Auf wen ganz Europa hört, der tut sich mit Recht schwer, unbedarft Thesen zu vertreten, die nachhaltig Wirkung haben könnten.

Einfacher hat es derjenige, dessen politische Präsenz nicht in die Waagschale fällt, angefangen von den Piraten bis zu AFD und darüber hinaus. Da kann dann links wie rechts auch schon mal einfach gesagt werden, was bestimmte Gruppen hören oder lesen wollen.  Ob das dann besser ist, als was die CDU macht, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall geht Komplexität zu Lasten von Emotionalität. Wer aber versucht, dies durch die Okkupation von Emoticons auszugleichen, der scheitert.

Authentizität bestimmt die Glaubwürdigkeit des Dialogs. Politik ist eben kein Showprogramm. Und auch die neuen Zielgruppen wissen, dass sich Verantwortung nicht auf ein Hashtag  reduzieren lässt.


DRadio Wissen | Sexy CDU | 18.08.2014